Auf dem Weg nach Samarkand und Bukhara ins Herz der Seidenstraße
Nach fünf Tagen in der Hauptstadt Usbekistans, Taschkent, ging für mich am 23. Oktober 2025 die Reise weiter nach Samarkand. Geplant hatte ich ursprünglich, dorthin mit dem „Afrosiyob“ zu reisen, also dem usbekischen Pendant zum deutschen ICE. Da ich jedoch seit meinem Aufenthalt in Armenien dazu übergegangen war, nur noch eine Woche im Voraus meine Unterkünfte und Transportmittel zu buchen, war ich auch diesmal zu spät mit meiner Buchung dran (übrigens auch bei der Weiterfahrt nach Bukhara).
Was allerdings noch verfügbar war, war ein Sitzplatz in der nächsten Zuggattung, dem „Sharq“, mit dem die Reisezeit sich etwa um eine Stunde verlängerte. Ich buchte also ein Ticket in der Business-Class dort und traf etwa eine halbe Stunde vor Abfahrt am Bahnhof in Taschkent ein. Auf Gleis 1 stand zunächst er, der „Afrosiyub“, dem mir die Mitreise verwehrt war. Der Einstieg in diesen Zug ist übrigens barrierefrei, ganz im Gegensatz zum „Sharq“, der ein paar Bahnsteige weiter aufzufinden war und den man quasi von Schienenniveau erklimmen muss. Natürlich hat der Schaffner nur mein Ticket und meinen Ausweis kontrolliert, aber mit meinem Gepäck (immerhin ein 20-Kilo-Koffer und ein Rucksack) wollte er mir nicht helfen. Guter Service in der Business-Klasse, dachte ich mir, das geht ja schon gut los!
Der Zug an sich entspricht in etwa einem Intercity aus den 1980er Jahren. Eine Lokomotive, 20 Waggons, die Klassen getrennt durch einen Speisezugwagen, maximale Geschwindigkeit 200 km/h. Im Inneren des Business-Class-Waggons erlebte ich allerdings eine Überraschung: Es herrscht eine Dreier-Bestuhlung wie in der 1. Klasse eines ICE, allerdings (wegen der russischen Breitspur) wesentlich geräumiger, und man sitzt in einem breiten, elektrisch verstellbaren Ledersessel mit Ventilator- und Massagefunktion sowie einer schnurlosen Ladestation fürs Handy. In solch einem Großraumwagen sitzen dann auch nur maximal 18 Personen, so großzügig ist er ausgelegt. Perfekt!
Die Fahrt beginnt, der erste Stewart bringt kostenlosen Tee. Der Zug gleitet dahin, ab und zu rumpelt es, wenn der Zugführer an der Bremse oder am Gas fummelt, aber ansonsten ist das Reisen mit diesem Zug dermaßen entspannend, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Ein anderer Stewart geht herum, und bietet heiße „Burger, Hot Dogs!“ an, was ob des amerikanischen Speisenangebots einen mitreisenden Russen dermaßen aufregt, dass dieser den Stewart anblafft, er solle ihm etwas russiches anbietet. Der Stewart darauf nur trocken: Wir sind in Usbekistan. Später wird sich derselbe Typ unter anderem noch darüber aufregen, dass er keinen Kaffee bekommen hat (er hätte bloß danach fragen müssen, als der Stewart mit Kaffee herumlief), aber die usbekischen Stewarts haben ihn einfach freundlich ignoriert…
Meinen Beitrag über Samarkand werde ich noch gesondert veröffentlichen und hier verlinken, aber weil’s gerade so schön passt, erzähle ich auch noch was über die Fahrt nach Bukhara. Die musste ich nämlich mit dem Bus unternehmen, da für dieses Teilstück auch der „Sharq“ ausgebucht war. Ein Bus von Samarkand nach Bukhara war schnell gefunden, nur die Buchung war ein echtes Abenteuer.
Denn: die Busse lassen sich zwar online buchen, aber nicht mit einer Visa- oder Mastercard bezahlen, sondern nur mit einer usbekischen Geldkarte. Zum Glück war in diesem von Chinesen geführten Hotel in Taschkent ein sehr netter junger Portier, mit dem ich mich schon vorher recht nett unterhalten hatte. Als ich ihm mein Problem schilderte, half er mir sofort. Er hatte zwar nicht genug Geld auf seiner Karte, aber wir sind gemeinsam an ein Terminal gegangen, wo wir mein Bargeld eingezahlt haben, und er hat dann das Geld für meine Buchung überwiesen. Dieser Kerl war echt klasse!
Am Abreisetag fuhr ich mit dem Bolt-Taxi zum Busbahnhof (einer von dreien, ich wettete einfach auf gut Glück, dass dieser derjenige für die Fernbusse ist) ziemlich ausserhalb des Stadtzentrums, und suchte erstmal den richtigen Bussteig. Den gibt’s aber nicht, die Busse fahren einfach nach und nach an das Kopfende des Busbahnhofs und machen dort Halt, wo gerade Platz ist. Wenigstens hat man vom Kopfende, an dem auch verschiedene Streetfood-Stände stehen (an denen sich die Reisenden bei einem Zwischenhalt eindecken), einen relativ guten Überblick über die einfahrenden Busse.
Nur – mein Bus kommt nicht. Abfahrtszeit wäre 11 Uhr gewesen, inzwischen ist es halb 12. Zweifel machen sich breit, ob es sich vielleicht nicht doch um den falschen Busbahnhof handelt. Ich frage zwei junge russische Backpackerinnen, die ebenfalls nervös auf ihr Handy schauen, ob sie auch nach Bukhara müssten. Ja, müssen sie, ihr Bus wäre regulär um 11:15 Uhr abgefahren. Ein Herr in Uniform schaut vorbei, er gehört zum Personal des Busbahnhofs. Zu dritt wollen wir in fragen, was mit unseren Bussen ist – er spricht nur usbekisch, weder englisch noch russisch. Eine Dame kommt hinzu, sie fungiert als Multisprach-Dolmetscherin. Es stellt sich heraus, dass der Anruf, den ich heute früh während der Dusche auf mein Handy bekam, aus dem Bus kam – er hat Verspätung und wird erst 1 1/2 Stunden später in Samarkand eintreffen. Und Tatsache, um 12:20 fährt mein Bus ein, und die fünfstundige Reise kann beginnen. Die beiden Russinnen hatten nicht das Glück, per Telefon informiert worden zu sein, wann ihr Bus ging – keine Ahnung.
Die Busfahrt war übrigens wie eine normale Fernbusfahrt wie beispielsweise mit Flixbus. Zweimal wurde für eine Pause kurz angehalten, die Leute haben sich mit Essen und Getränken eingedeckt, dann ging’s wieder weiter. Eine lohnenswerte Aussicht gab’s allerdings nicht, da alle paar Kilometer die nächste Ortschaft kam und von der Landschaft (die auf der Fahrtstrecke tatsächlich aus einem fruchtbaren Gürtel im Einzugsgebiet eines Flusses besteht und ansonsten nur Wüste ist) nicht viel zu sehen war.
Die Rückreise von Bukhara nach Taschkent trat ich übrigens mit dem Flugzeug an. Kein Zugplatz verfügbar, nur freie Plätze in Bussen, und auf eine zehnstündige Busfahrt wollte ich dann gerne verzichten. Dafür war dieser Flug und vor allem die Wartezeit darauf das entspannendste, was mir bislang passiert ist. Es gibt zwei Check-In-Schalter am Flughafen in Bukhara, es gibt ein Gate mit einem Wartebereich und einem Café, und es gibt ein Rollfeld, wo man zu Fuß zum Flugzeug geht. Das war’s. Der Check-In war erledigt in zwei Minuten.
Wäre ich die anderen Strecken auch mit dem Flugzeug geflogen, wär’s wahrscheinlich genauso unkompliziert verlaufen. Ich hätte dann allerdings nicht soviel zu erzählen gehabt…